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Aller
Anfang ist schwer. Höchstens das Aufhören ist manchmal
noch schwerer.
Victor Moritz Goldschmidt (1888 - 1947)
Abschlussbericht von Anita Stachowicz/
August 2003
...ich beende gerade
eines der wohl schoensten jahre meines lebens und spuere diese
worte in jedem winkel meines herzens.es ist zwar nicht das einfachste
in einem fremden land unter fremden menschen unausgebildet zu
arbeiten. doch viel schwierieger ist es, alles was man waehrend
eines jahres mit viel muehe aufgebaut hat, wieder loszulassen.
die letzten 12 monate
habe ich zusammen mit noch einer fsj-lerin in einem sozialzentrum
in timisoara (rumaenien) gelebt und gearbeitet. als erste freiwillige
in dieser stelle haben wir versucht, dort freiwilligenarbeit
zu etablieren. der pionierstatus hat, wie so viele dinge im
leben, zwei seiten.auf der einen ist da die anfaengliche ratlosigkeit
mit der ich der tatsache gegenueber stand, dass weder die mitarbeiter
noch die zentrumbewohner etwas mit dem begriff "freiwillige"
anfangen konnten. das fuehrte dazu, dass mir
keine konkreten aufgaben zugeteilt wurden und der tagesablauf
planlos aussah. die stellenleiterin sagte am ende " wir haben
euch einfach ins tiefe wasser geworfen. zum glueck konntet ihr
schwimmen". ja zum unseren glueck hat man uns dann aber auch
die wahl der gewaesser und des schwimmstils ueberlassen,
sodass die andere seite den namen freiheit traegt. zuerst habe
ich ueberwiegend in dem senoirenwohnheim gearbeitet. hier erstreckten
sich die aufgaben von spaziergaengen, mahlzeiten anreichen ueber
kleine hilfsttaetigkeiten wie naegelschneiden oder knoepfe annaehen
bis besorgungen in der stadt und natuerlich gespraechen. in
der letzten periode, war das vertrauen der "omis" endlich meins,
sodass sie mich ihre haare
schneiden liessen oder wir zusamen briefe an ihre verbliebene
familie geschrieben haben. es ist ein unheimlich schoenes gefuehl
so angemommen zu werden. bei den aelteren menschen passiert
es oft, dass sie in ihren jungen begleitern eine art enkelkind
sehen. das war auch eines meiner ziele, fuer die heimbewohner
ein
stueckchen familie zu sein. ein weiteres war es den mitarbeitern
unter die arme zu greifen und in dem mir moeglichen rahmen zu
helfen, aus diesem grund habe ich ich z.b. eine zeitlang reinigunsaufgaben
uebernommen, als eine putzfrau gefehlt hat! dennoch habe ich
in letzter zeit erkannt, dass ich haette mehr mit dem personal
zusammenarbeiten sollen. sonst bleibt die arbeit isoliert und
traegt keine fruechte fuer die zukunft. ich hoffe, dass meine
nachfolger dieses besser umsetzen werden.
zu dem zentrum gehoert
eine tagesstaette, die sowohl die heim-omis als auch senioren
aus der stadt benutzen. dort war ich partnerin bei diversen
gesellschaftsspielen. ich habe auch oft und gerne mit der fuer
den treffpunkt zustaendigen sozialassistentin unternehmungen
und feierlichekeiten organisiert. auf dieser basis sind u.a.
ein wochenendausflug oder maskenball entstanden. ich habe auch
bei diversen ausstellungen der im club entstandenen handarbeiten
mitgewirkt. zweimal in der woche fand in der tagestaette eine
gymnastikstunde statt,die ich mitgeleitet habe.
zu den weiteren taetigkeiten
zaehlt ein konversationsclub in einem ungarischen gymnasium,
wo ich mit den schuelern das gelernte angewendet und vertieft,
aber auch abiturvorbereitungen der aelteren unterstuetzt habe.
in der freien zeit habe
ich ab und zu eine saeuglingstation (fuer unterernaehrte und
verlassene kinder) und eine station fuer TBC-kranke kinder besucht.
zu weihnachten haben martina und ich eine aktion ins leben
gerufen, bei der daheim familie und freunde suesses, bastellsachen
sowie ein bisschen geld gesammelt haben. diese spenden haben
wir dann zu den beiden stationen gebracht. sonst ging es einfach
um die baescheftigung mit den kleinen und ihre foerderung. ich
bin allerdings der meinung, dass man dafuer mehr zeit einplanen
muesste, wenn es was bringen soll.
was ich mir bei der bewerbung
fuer dieses projekt erhofft habe, ist auch eingetreten, naemlich
dass meine arbeit sehr abwechslungsreich war, was aufgaben wie
auch altersgruppen betrifft. diese mischung bedeutete einen
guten ausgleich und verhinderte motivationsflauten oder rutine.
vor ein paar tagen sollte
ich mein jahr in rumaenien in einem satz ausdruecken. er lautete:
ich kam, ich sah, ich liebte!!!! so fuehle ich. rumaenien hat
mich aufgenommen, angenommen. das land hat sehr viele
gesichter, viele etnien, viele kulturen, eine vielfaeltige vergangenheit,
es hat unendliche schoenheit neben muell und armut, es hat so
viele gegensaetze...das alles macht es interessant und liebenswuerdig.
natuerlich gibt es einige dinge in der rumaenischen kultur/denkweise
bzw.mentalitaet, die ich nie verstehen werde, doch damit kann
ich gut leben. rumaenien das sind fuer mich groesstenteils menschen.
ich hatte das glueck ein paar zu treffen, die mich in ihren
kreis aufgenommen haben und die ich deshalb als meine rumaenische
familie betrachte. meine mitarbeiter waren ebenfalls stets hilfbereit
und herzlich, was die arbeit besonders am anfang sehr erleichert
hat. die sprache hat mir keine probleme gemacht. durch die stendige
anwendung habe ich schnell fortschritte gemacht und mit spass
gelernt. ich wollte ja unbedingt mit meiner umgebung komunizieren
und dafuer ist sprache der beste weg.
als vorlaeufig den letzten
punkt wollte ich nochmal die leitlinien anschneiden. zugegebenermassen
empfand ich es als anstrengend wieder und wieder uber diese
3 saetze zu reden, die mir zu beginn sehr abstrakt und
fern erschienen. jetzt am ende des jahres kann ich mit einer
gewissen zufreidenheit sagen, dass ich nun die bedeutung der
leitlinien verstanden habe und sie als richtig und wichtig emfinde.
zwar habe ich bei meiner arbeit nicht bewusst an deren wortlaut
gedacht,doch-und das finde ich viel wichtger- habe ich unbewusst
danach gehandelt. jetzt zum schluss ist es mir restlos bewusst
geworden, dass die ziele des ICE auch mit zu meinen spaetern
zielen gehoeren. die bedeutung der leitlinien dehnt sich fuer
mich ueber das jahr hinaus und wird denke ich, meine denkweise
nachhaltig mitpraegen. ich muss aber auch anmerken, dass ihre
umsetzung in dem jahr, besoders was menschenrechte angeht und
besonders was rumaenien angeht, sehr schwierig und
zwiespaeltig war. es hat aber auch nie jemand behauptet, dass
so etwas einfach ist.
vorlaufig ziehe ich fazit....
mir ist der vergleich mit einem leuchturm in den sinn gekommen,
den ich an dieser stelle benutzen moechte. rumaenien ist ein
grosses, dunkles, bewegtes meer....ich wie ein leuchtturm. meine
lichter versuchten die dunkelheit zu erhellen. die scheinwerfer
beleuchteten einen begrenzten kreis...eine momentaufnahme der
realitaet, wie im impressionismus....viele von diesen punkten
ergeben ein bestimmtes bild. natuerlich kein gaenzliches, denn
dafuer waren die birnen zu schwach und klein und die beleuchtungszeit
zu kurz---was ist schon 1 jahr...die wellen umspuelten das gebaeude
und hinterliessen spuren. so haben auch einige der rumaenischen
einfluesse spuren in mir hinterlassen - schoene narben. ich
als leuchtturm hatte auch eine andere rolle, ich wollte gerne
eine anlaufstelle sein, zeichen setzen, ein
bisschen licht in die dunkelheit der leben einiger einsamer
menschen einfloessen. ich hoffe und glaube, dass mir das zum
teil gelungen ist... das ist der sinn meines dienstes.
anita stachowicz ueber's fsj in timisoara/rumaenien
p.s. liebe copiii-europei/
ice-mitarbeiter ich uebergeben euch jetzt zwar einen bericht,
doch es ist noch nicht dass, was ich einen reflektierten, vollstaendigen,
guten endbericht nennen will. seit laengerer zeit versuche
ich schon meinen gedanken in einem text umzusetzen. leider verweigert
mein bewusstsein den abschied, was das berichtschreiben fast
unmoeglich macht. rica weiss, wovon ich spreche. heute unternahm
ich den x-ten versuch, etwas zu papier zu bringen. ich habe
vorlaufig einige meiner gedanken aneinandergereiht, ebenfalls
um ueberhaupt noch etwas termingerecht abgeben zu koennen. trotzdem
habe ich mich auch hier bemueht alle vom ice angesprochenen
punkte zu behandeln. ich bitte um verzeihung und die moeglichkeit
einen in der ruhe meines zimmers geschriebenen bericht nachschicken
zu duerfen. danke fuer das verstaendnis!
mfg
anita
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