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Nicht zu vergleichen natürlich mit dem Nürnberger
Christkindlesmarkt!...
Ein
aktueller Bericht von Cordula Binder / Dezember 2006
Jetzt ist bald Weihnachten, aber weder ich,
noch meine Umgebung sind so richtig in Weihnachtsstimmung…
Es ist viel zu warm draußen, heute regnet es sogar und
ich hab meine Hoffnung auf weiße Weihnacht schon fast
aufgegeben. Dankbar bin ich, dem Weihnachtsstress, der in Deutschland
in dieser Zeit immer herrscht, fern zu sein. In den Städten
kann man schon etwas davon spüren, z.B. in Brasov oder
Tirgu Mures wo ich in den letzten Tagen war. Es gibt viele Lichterketten,
Weihnachtsbäume und in Brasov sogar Buden mit Glühwein
und frischen Krapfen neben unerträglich lauter schlechter
Chart-Musik. Nicht zu vergleichen natürlich mit dem Nürnberger
Christkindlesmarkt! Dort Glühwein zu trinken und Bratwürschte
zu essen vermisse ich schon ein bisschen, aber dafür werde
ich hier in Dacia und Rupea nicht mit aufdringlicher Werbung
und grell-leuchtendem Kitsch bombardiert. Außerdem gibt
es hier alles selbstgemacht! Bratwurst von Bekannten, Fleisch
von Elviras Schwein, Sauerkraut, selbstgemachten Schlehenlikör
und den Wein, den wir dann auch als Glühwein trinken können.
Das Beste sind allerdings die unzähligen Stollen, die wir
(Anne, Martin, Sabine, Robert, Tina, Ronni, Anne und ich) vor
ein paar Wochen in Viscri im Holzbackofen fabriziert haben.
Nach der Stollenverkostung am 3. Advent, können wir uns
alle loben, denn die Steiner und die Familie Bing haben sich
als Original-Dresdner-Stollenbäcker mehr als bewährt.
Mmh…, war das lecker!
Gerade war ich mit Anne und Martin beim „Serbare“,
der Weihnachtsabschlussveranstaltung aller Schulkinder. Es gab
Gesang, Gedichte und eine Art gespielte Weihnachtsgeschichte.
Alle Kinder waren herausgeputzt, einige sogar in Trachten und
mit Schärpe in den rumänischen Nationalfarben. Wichtig
war, dass jedes Kind etwas alleine vorträgt, selbst wenn
die Doamna Invatatoare vorsagen muss. Naja, man hätte mehr
daraus machen können, ein bisschen musikalische Untermalung,
mehr Lockerheit und Kreativität. Aber hier spiegeln sich
eben auch wichtige Prinzipien des Schulsystems wider. Viel auswendig
lernen und Anweisungen befolgen.
Dafür fand ich die Weihnachtslieder angenehm dynamisch.
Schneller und lauter, als wir unsere besinnliche, zarte Weihnachtsmusik
gewohnt sind.
Hier in Dacia soll es an den Feiertagen auch einen Weihnachtsball
geben im Festsaal. Wahrscheinlich mit reichlich Rakiu, Tuica
und Bier, aber das werde ich mir nicht entgehen lassen. Einmal
die Dacianer ausgelassen tanzen zu sehen, kann ich mir noch
nicht so richtig vorstellen, aber ich glaube, das kann sehr
lustig werden…
Auch sonst freue ich mich auf Weihnachten, ein paar freie Tage.
Zum ersten Mal ein Fest ohne Familie, aber ich glaube das werden
sie mir verzeihen…J Einsam werde ich bestimmt nicht sein,
da sich vorne im Begegnungshaus ein schönes Heiligabend-Festessen
zubereiten lässt…
So langsam denke ich auch an den Abschluss meines Praktikums
hier. Viel Zeit bleibt mir nicht mehr, denn der Monat nach Weihnachten
wird rasend schnell vorüber gehen. Noch zieht es mich nicht
nach Deutschland zurück, in meinen Fh-Alltag, dazu bin
ich zu gerne an dieser Arbeit. Ich bin an einem Prozess, einer
Entwicklung beteiligt, die nach meinem Praktikum hier noch weitergehen
wird und es ist deshalb seltsam, Dinge zu planen, an denen ich
gar nicht mehr beteiligt sein werde. Sicher werde ich den Fortgang
des Projektes auch aus D weiter verfolgen, aber ich werde eben
kein Teil mehr davon sein.
Jetzt vor den Feiertagen haben wir noch einiges geschafft. Wir
haben noch eine neue Familie in Dacia besucht, deren Junge eine
geistige Behinderung hat. Es war wieder ein angenehmer erster
Besuch, die Mutter freute sich aufrichtig und war sehr offen
war. Wir werden ihnen dabei behilflich sein, das Zertifikat
für den Jungen und darauf folgend, die Behindertenrente
zu bekommen. Auf dem Heimweg mischte sich zu dem positiven Eindruck,
dass der Junge immerhin in der Familie gut aufgehoben schien,
zum wiederholten Mal dieses negative, frustrierende Gefühl.
Dieser Junge im Alter von 14 Jahren könnte so wunderbar
gefördert werden, gäbe es nur einen Ort dafür.
Schon desöfteren mussten wir feststellen, dass es in der
Gegend um Rupea genügend Kinder und Jugendliche gäbe,
die in einer besonderen Förderschule (wie es in Deutschland
selbstverständlich wäre) gut aufgehoben wären
und durchaus ihre Fähigkeiten anwenden und verbessern könnten.
Doch so besuchen sie keine Schule, verbringen die Zeit zu Hause
und werden so kaum darauf vorbereitet ein eigenständiges
Leben zu führen. Selbst wenn sie mit Training und den entsprechenden
Fördermöglichkeiten dazu in der Lage wären.
Das ist immer wieder schade festzustellen, wie gut so eine Förderschule
nach Rupea passen würde. Wer weiß, vielleicht tut
sich ja mal etwas, angeregt durch die Arbeit des Projektes und
im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt?...
Unsere Hoffnung, die Beratungsstelle noch vor Weihnachten eröffnen
zu können hat sich nun doch nicht erfüllt. Aber auch
hier sind wir optimistisch, da wir ab Januar mit einem der Sozialarbeiter
aus der Primaria Rupea zusammen daran arbeiten wollen, eine
geeignete Räumlichkeit zu finden. Es wäre schon genial
gemeinsam mit der Verwaltung auf gesetzliche Verpflichtungen
zu pochen und somit Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen.
Mal sehen was das neue Jahr so bringt.
So, und nun wünsch ich Euch allen noch Frohe Weihnachten,
schöne erholsame Feiertage und ein gesundes neues Jahr!
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