hier zurück  
 
 

Es bleibt also spannend...
Ein aktueller Bericht von Tina Bing / Juli 2006

Es ist schon einiges erreicht in unserem Projekt. Das sollte ich mir bzw. uns wohl mal mehr anerkennen, denn momentan sehe ich mich vor einem Riesenberg Unerledigtem stehn. Mich “ erschlaegt “ gerade die Tatsache, dass es erstens soviel Menschen mit Behinderungen im Umkreis von Rupea gibt – aber das haette ich ja wissen muessen.
Und zweitens wird mir immer bewusster, wie wenig Zeit und daher nur sehr begrenzte Moeglichkeiten meinerseits fuer jene Menschen da sind. Kann ich mich damit zufrieden geben? Sicher sind unsere Resultate schon sichtbar – und doch ist es fuer mich momentan heftig, die grossen Defizite dieser laendlichen Region zu erleben. Oder ist es etwa in ganz Rumaenien so, dass die Buerokratie oft laecherliche Huerden stellt, die selbst fuer gebildete Leute unbezwingbar sind ? Es fehlen die Vernetzungen zwischen Aemtern und Behoerden untereinander, sie kriegen das einfach nicht hin. Bequemer ist es, die betreffende Person spaziert die Akten oder Informationen selbst zwischen den Aemtern hin un her- egal ob diese Person 80 km weit entfern wohnt und das jedes Mal einen Menge Geld und mehrere Tage Zeit kostet.
Am meisten aergert mich, dass es sich dabei um ein aktuelles Beispiel einer jungen Mutter handelt, die jaehrlich fuer die Einstufung ihres Kindes ( mit Schwerstmehrfachbehinderung ) nach Brasov, Kronstadt fahren muss und das eben besagte 3-4 Mal fuer ein Zertifikat. Sie ein wenig dabei mit Fahrten und Gespraechen zu unterstuetzen, ihr Anerkennung dafuer zu geben- das kann ich / koennen wir tun.
Einer anderen Mutter auch beim leidlichen Gang durch die Aemter beizustehen, damit sie die noetigen Akten fuer die Einstufung ihrer Kinder erhaelt, das tue ich gerade. ( Anmerkung: Nur zwei der vier moeglichen Grade der Einstufung eines Menschen mit Behinderung sind verbunden mit finanziellen Zuwendungen ! ) Doch diesem praktischen Helfen vor Ort koennen wir nur einen kleinen Teil unserer Zeit zumessen. Denn diese Soforthilfe ist nicht wirklich nachhaltig. Nachhaltig wird es meiner Meinung erst dann, wenn die Familien sich selbst Beratung und Hilfe suchen, um ihren Angehoerigen angemessenere Pflege zukommen zu lassen. Wenn z.B. Eltern bereit werden, selbst fuer ihre Kinder zur Verbesserung der Lebensumstaende beizutragen: z.B. durch taegliche Uebungen zur Selbstaendigkeit, haeufiger Lagerungswechsel, Stimulation aller Sinne etc. Solches Interesse ist sicher vorhanden, dann fehlen oft die Moeglicheiten, wie z.B. Zusammenarbeit mit guten (!) Aerzten, Physiotherapeuten etc. Dabei wollen wir die Betreffenden vermitteln, unterstuetzen und haben schon so manche gute und nuetzliche Zusammenarbeit begonnen. Es gibt aber auch jene, die gar keine Verbesserung noetig sehen fuer ihren Angehoerigen mit Behinderung. Sicherlich aufgrund ihrer sozialen Herkunft, ihrer oft fehlenden Bildung und ihrer aermsten Lebensumstande – doch meine Hoffnung ist, auch bei einer solcher Familie etwas Interesse wecken zu koennen. Helfen wird uns dabei der Aufbau einer Beratungsstelle, ohne die wir wahrscheinlich nicht in alle 25 Doerfer wirken koennen. Es bleibt also spannend- und das Interessante dabei ist, obwohl ich viel Schreibkram wegen Planung, Dokumentation etc habe- nun handelt es sich schon um ganz bestimmte Personen mit ihrer eigenen Geschichte, sie sind mir vertrauter und nicht mehr eine vage Zahl auf dem Papier. Was umsomehr auch ans “ Eingemachte” geht: eben mitzufuehlen, wenn es nicht vorwaerts geht, wenn wieder die Zigeuner diskriminiert werden.....das tut mir dann auch weh.
In diesem Sinne, ich hoffe auf ihr/ dein Interesse, Mitfuehlen und Gebete fuer alle Menschen, die dieses Projekt betrifft.
Danke.
Tina Bing

 
 
hier zurück