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Lieber wenig und dafür gut
Ein aktueller Bericht von Tina Bing / November 2006

Der Schlamm in den Dorfstraßen ist mal wieder typisch für den Herbst. Ohne Gummistiefel ist man verloren. Doch der Herbstnebel zum Beispiel hat etwas Verzaubertes – nur schade, wenn er sich erst gegen Mittag lichtet. Umso eher kommt man jetzt rein, die Tage sind so kurz. Das merke ich auch, wenn wir unterwegs zu Klienten sind. Im Sommer bin ich oft später am Abend nach Hause gekommen, jetzt muß ich aufpassen, dass mich nicht die Dämmerung (und diese nervigen Hunde) erwischen. Ich bin gerade sehr zufrieden und optimistisch, was unsere gesamte Arbeit innerhalb des Projektes betrifft. Wir haben bisher neun Familien besucht, weitere telefonisch beraten, und mehrere erfasst, welche eben noch zu besuchen sind. Das klingt vielleicht nicht viel für ein halbes Jahr, seitdem das Projekt läuft. Doch darf man die intensive Vorbereitungszeit, nämlich das Entwickeln der Konzeption nicht vergessen. Und außerdem lautet unser Motto: Lieber wenig und dafür gut. Dem sind wir treu geblieben - diese bisher 9 Familien wurden bzw. werden intensiv besucht. Falls kein Beratungs- und Behandlungsbedarf bestand, beließen wir es bei einigen wenigen Familien bei der Erfassung ihrer Lebensumstände. Hingegen andere Familien nehmen dankbar unsere Beratungsangebote an. Wir selbst begeben uns manchmal in fachlich völliges Neuland, nämlich in medizinische und pflegerische Bereiche. Bloß gut gibt es das Internet für Informationen ( sind aber an Fachbüchern z.B. zu Muskelerkrankungen sehr interessiert!) und einige nette Einrichtungen oder Fachkräfte im Umfeld, die mit uns zusammenarbeiten und uns behilflich sind. So haben wir gestern wieder eine Einrichtung besucht, die vor allem Pflegekinder mit Behinderungen betreut: Den Club – Luminita –Copiilor in Sighisoara. Dort nahm sich die deutsche angestellte Ergotherapeutin viel Zeit für uns, wir lernten aber auch andere Mitarbeiter kennen. Die zuständige Psychologin ist gerne bereit, in ihre regelmäßigen Gesprächsrunden mit Eltern auf Wunsch auch andere Familien einzuladen.
Ein anderes Mal waren wir in Brasov im Sanitätshaus DONIS, die Leiterin nahm sich viel Zeit für uns Laien hinsichtlich aller möglichen orthopädischen u.a. Hilfsmittel. Außerdem schenkte sie einem von uns betreuten Kind eine Regengarnitur für den Rollstuhl. Diese Beratung nutzte uns wirklich viel, leider kosten die Hilfsmittel manchmal nicht wenig. Und wenn alle Angestellten der Krankenkasse solche unfreundliche Zimtzicken (ich muß es so sagen!) sind, wie diejenige die ich am Apparat hatte, ist mir klar, dass viele Betroffene abgeschreckt werden, jemals etwas von der Krankenkasse zu beantragen. Und die ärmeren bleiben eben ohne jegliche Hilfsmittel. Zur Info : Schon eine Fahrt nach Brasov ( ca. 70 km entfernt ) kostet mit den Buslinien etc. ca. 10 € pro Person. Das bei einer monatlichen Zuwendung von ca. 40 € für einen Menschen mit Behinderung, sollte also gut überlegt sein, ob es sich für ein paar Info`s lohnt.
Das Bekanntmachen unseres Projektes im näheren Umfeld gelingt meiner Meinung nach gut, nur einen entscheidenden Durchbruch was die Beratungsstelle in Rupea betrifft, gibt es noch nicht. Diese wird aber dringend gebraucht, um mehr Menschen beraten zu können, als es uns per Auto gelingt und auch jene Familien beraten zu können, die in keiner Statistik auftauchen, welche dann zu uns kämen. Das heißt wir suchen noch immer nach einer passenden Räumlichkeit und würden uns über weitere Spenden zu ihrer Einrichtung bzw. Unterhaltungskosten freuen.
Das sind unsere aktuellen Geschehnisse. Es macht mir Freude, dass uns viele Familien so offen und herzlich begegnen, sie uns schon für`s Zuhören dankbar sind. Wer hört es sich wahrscheinlich sonst an?
Wünsche Euch einen schönen Einstieg in die Adventszeit und uns allen offene Ohren für unsere Mitmenschen
Tina Bing

 
 
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