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Vieles
ist einfach so anders...
Ein aktueller Bericht von Alexander
Borchert / Mai 2006
Die ersten zwei Wochen
sind nun fast rum. Im Vorfeld haben sich meine Frau Ricarda
und ich eine Menge Vorstellungen über das gemacht, was
uns hier in Rumänien, im Besonderen in Dacia erwarten würde.
Alles war dann doch anders. Als wir auf dem letzten Teilstück
nach Dacia waren, es war kurz hinter dem Ortsschild der Stadt
Fargaras, kamen wir an einer Mülldeponie vorbei. Dort leben
auf der Deponie Menschen von dem, was die anderen wegwerfen.
Das was ich bisher höchstens Mal im Fernsehen von Menschen
in Südamerika gesehen hatte, war plötzlich in Europa
Realität geworden. Das ist ein Eindruck, der immer wieder
Mal vor meinem geistigen Auge auftaucht und mich begleitet.
Vieles ist einfach so anders, obwohl ich sagen muss, dass das
Plumpsklo, das Wasserholen und das fehlende Bad schon fast normal
geworden sind. Und dennoch ist die Aussicht auf eine warme Dusche
sehr verlockend.
Die Zeit ist auch anders. Man braucht viel mehr Zeit, um irgendetwas
zu machen. Erst muss der Ofen angefeuert werden, um heißes
Wasser für das Spülen, das Essen oder den Kaffee zu
haben. Aber ich habe den Eindruck, dass die Menschen hier damit
ziemlich gut zurecht kommen. Manchmal packt mich da ein wenig
die Ungeduld – aber das kann sich ja noch ändern
in den vier Monaten.
Die Arbeit am Projekt "Gemeinsam lernen – würdevoll
miteinander das Leben gestalten" hat auch schon gut begonnen.
Zu meinem Schatz und mir ist nun eine der beiden Sozialarbeiterinnen
gestoßen, die dieses Projekt tragen werden. Wir haben
uns als Team sehr schnell gefunden; die Chemie stimmt wohl.
Die ersten Grundzüge für unsere theoretische und praktische
Arbeit konnten wir legen. Ein Flyer, der uns bekannt machen
soll, ist schon entwickelt und fertig zum Kopieren. In zwei
bis drei Wochen können wir wohl schon in die Dörfer
fahren, um die ersten Erfassungen zu machen. Es geht also gut
voran. Ich hoffe, dass wir die Dinge halbwegs so umsetzen können,
wie wir es uns erhoffen.
Ansonsten helfe ich noch bei der Renovierung des Pfarrhauses
der sächsischen Steiner Gemeinde. Es soll (und ist es eigentlich
schon) ein Bildungs- und Begegnungshaus werden. Es gibt daran
viel zu machen; ein Tag in der Woche ist für diese Arbeit
reserviert. Mein Schatz, Frank und ich haben die Einfahrt des
Pfarrhofes bis auf den ursprünglichen Steinweg freigelegt;
das Pfarrtor geht nach vielen Jahren wieder ganz auf. Es wurde
dafür 30-40 Schubkarren Dreck und Erde weggekarrt.
Gestern haben wir uns den Holzschuppen vorgenommen; dort lagert
das Holz, das wir für den täglichen Bedarf benötigen,
aber auch das, was für den nächsten Winter gebraucht
wird. Ein ganzer Tag Arbeit - mit meinem Schatz - und er ist
wieder vorzeigbar geworden.
Auch sonst gibt es neben unserer pädagogischen Arbeit eine
Menge zu tun.
Die Eindrücke auf der Fahrt nach Rumänien haben ein
wenig auf meine anfängliche Euphorie gedrückt; manches
hätte ich einfach nicht erwartet, gerade wenn man bedenkt,
dass Rumänien bald EU-Mitglied sein wird. Dennoch merke
ich, wie die Tatkraft und der Elan mich hier vorantreiben. Ich
glaube, dass das Projekt eine sehr gute und immens wichtige
Sache ist, und dass ich in den vier Monaten alles geben möchte,
was möglich und sinnvoll ist. Auch in kleinen Schritten
kann man irgendwann ans Ziel kommen. Und das Ziel hier heißt,
Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben, ein würdevolles
Leben zu haben.
So danke ich allen, die das mit ihren Wünschen und Gedanken
unterstützen. So, jetzt ist es schon spät geworden....ich
muss ein wenig schlafen!!!
La revedere! |