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Definitiv
der 30.Juni wird der erste Tag sein, an dem wir losziehen werden...
Ein aktueller Bericht von Alexander
Borchert / Juni 2006
Heute ist es also mal wieder
soweit, dass ich mich hier aus Dacia/Stein melde. Seit dem letzten
Bericht sind nunmehr über fünf Wochen vergangen. Vieles
ist seitdem passiert, so viel, dass ich hoffe, noch alles zusammen
zu kriegen.
Es ist nicht immer leicht die mitgebrachten Vorstellungen und
Arbeitsmethoden eins zu eins in Rumänien, um genau zu sein,
hier in Dacia umzusetzen. Es fällt mir manchmal schwer,
mich daran zu gewöhnen, dass die Zeit und die Organisation
von Arbeit bei den Menschen vor Ort etwas anders gehandhabt
wird. Meine, schon im ersten Bericht angesprochene, Ungeduld
allein ist es nicht. Ich denke halt, dass man sich für
manche Arbeiten einfach effektivere Methoden überlegen
könnte, sie zu bewältigen. Einen Schutthaufen beispielsweise
drei Mal zwischen zu lagern, bevor er endgültig abtransportiert
wird, müsste nicht unbedingt sein. Vor allem dann, wenn
man so und so genug Arbeit hat. Das ist nun auch ein gutes Stichwort,
um etwas über die Arbeit am Steiner Pfarrhaus zu berichten.
Momentan geht es wirklich gut voran. Es ist ein Haus, dass seit
nunmehr 16 Jahren nicht mehr bewohnt ist, und das merkt man
auch. Jeder der solche Häuser schon erlebt hat, weiß
wie schnell und wie viel Sachen sich ansammeln – bevorzugt
in Kellerräumen. Wir haben bisher unter anderem acht Kellerräume
freigeräumt. Es kam eine Menge zu Tage, dass entweder weg
konnte oder jetzt gebündelt in einem Kellerraum liegen,
den wir als Abstellraum hergerichtet haben. Das Praktikantenzimmer
im Pfarrhaus ist fast fertig (wir müssen nur noch die Möbel
aufstellen), ebenso die Küche (in der wir fünf Schichten
Farbe bis in 3,50 m Höhe abgekratzt und teilweise mit Hammer
den Putz bis auf die Ziegelsteine abgeschlagen haben) und das
Bad. Bald kommen schon die ersten Gruppen, die sich darüber
bestimmt freuen, denn die Küche und das Bad können
es mit jedem anderen in Deutschland aufnehmen. Es ist einfach
schön, wie sich das Pfarrhaus langsam wieder mit Leben
füllt, sei es durch uns, die Handwerker oder die kleinen
Putzteufel, die alles wieder sauber machen. Ich werde mich freuen,
wenn die ersten Menschen hier leben werden. Und dennoch ist
noch viel zu tun und wir können sicherlich weiter Hilfe
aus Deutschland in Form von freiwilligen Helfern und Spenden
brauchen. Kommt einfach und erlebt dieses Haus.
Aber nun ist es genug der Schwelgerei und mit Aufrufen =o) !!
Denn auch auf unserem Hof gibt es genug Arbeit. Im Moment haben
wir ein Problem mit dem sehr nassen Boden – ohne Gummischuhe
kommen wir trockenen Fußes nicht mehr auf unser Plumsklo.
Wir haben zwar einen Abflussgaben, aber das Rohr hatte ein Gefälle
ins Grundstück zurück. Sehr sinnig!! Es ist nun Schnee
von gestern, denn wir haben es auf einer Länge von ca.
zehn Metern ausgegraben – mit Spitzhacke, Schaufel und
Spaten. Endlich konnte das Wasser abfließen; bald setzen
wir einige große Betonröhren mit einem Gefälle
nach außen ein, so dass wir vielleicht noch ein trockeneres
Grundstück erleben werden.
Vor zwei Wochen in etwa hatte ich eine schmerzhafte Begegnung
mit einem Eisenhaken im Boden – auf dem Weg zum Plumsi.
Naja, ziehst du mal dran und machst ihn weg, dachte ich mir
– ha, von wegen! Als mein Schatz und ich dann dieses Teil
raus hatten, hing an diesem kleinen Haken ein 50-60 cm langes
und ca. 25 cm breites Betonfundament dran. Da hatte wohl jemand
seinen Spaß!
Ich könnte noch viel erzählen, denn die Arbeit hört
auch hier nie auf, immer ist etwas zu tun.
Doch nun will ich noch ein bisschen über unser Projekt
für Menschen mit Behinderung erzählen. Zunächst
einmal muss ich die Annahme, dass wir schon Anfang Juni in die
Dörfer gehen konnten revidieren. Ein Projekt von Anfang
an aufzubauen, bedeutet doch eine Menge Vorüberlegungen-
und arbeit. Definitiv der 30.Juni wird der erste Tag sein, an
dem wir losziehen werden. Gut gewappnet, hoffe ich. Aber ich
bin eigentlich sehr zuversichtlich, haben wir doch sehr gute
Arbeit in unserem Team geleistet. Das Pädagogische Konzept
steht nun schon in großen Teilen; Leitbild unseres Projektes,
die Zielsetzungen, Teile der Methoden und ein kleiner Teil der
Situationsbeschreibung stehen. Gesprächsvorbereitung haben
wir gemacht für die Gespräche mit Pfarrern und Ärzten;
denn nur diese können uns zunächst helfen, zu erfahren,
wo wir Menschen mit Behinderung finden können. Offizielle
Statistiken gibt es nicht, anhand derer wir arbeiten könnten,
so dass wir es sind, die diese für Rupea und Umgebung erstellen
müssen.
Ein Gedächtnisprotokoll ist entwickelt, das uns helfen
soll, unsere Informationen bei den ersten Gesprächen zu
bündeln und zu objektivieren. Wir müssen bei den Familien
sehr vorsichtig sein und können nicht schon mit einem Frageblatt
ankommen. Gerade am Anfang müssen wir äußerst
sensibel sein, damit wir nicht im weiteren Verlauf unserer Arbeit
vor verschlossenen Türen stehen.
Gleichzeitig damit haben wir einen Erfassungsbogen (ein wenig
gleichzusetzen mit einem Anamnesebogen) entwickelt, auf dem
dann irgendwann alle relevanten Informationen über die
betroffenen Menschen und ihre Familien stehen sollen.
Wir haben uns zunächst auf ein Kerngebiet geeinigt, in
dem wir zuerst unsere Erfassung und machbare Soforthilfen machen
wollen. Das Kerngebiet umfasst die Stadt Rupea und die Dörfer
Dacia, Viscri und Jibert. Dies soll uns einerseits helfen, uns
nicht gleich völlig an der Masse aufzureiben (immerhin
reden wir hier von 25 Dörfern in einem Radius von ca. 20-25
km um Rupea und das bei den rumänischen Straßen –
das ist übrigens noch ein eigenes Thema) und bietet uns
die Chance, Erfahrungen zu sammeln und mögliche Fehler
früh zu erkennen und zu beheben.
Es ist sehr viel Erhebungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten,
aber mit den von uns gewählten Mitteln können wir
das hoffentlich bewältigen.
An dieser Stelle, gerade für diese Arbeit, möchte
ich Frau Dr. Schulze und Herrn Professor Baudisch vielmals danken,
die uns auf ihre unnachahmliche Weise sehr viel Know-How mitgegeben
haben und immer ein offenes Ohr und vor allem Zeit (gerade nach
den Seminaren und über die Sprechstunden hinaus) für
mich und meinen Schatz hatten.
Das war es dann auch für heute mit den Informationen. Nochmals
vielen Dank all’ unseren Unterstützern. Wir „hören“
uns ja noch über e-mail und SMS.
Bis bald und die besten Grüße aus Dacia in Romania.......
La revedere!
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