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Jemanden
der sie tröstet wenn mit Tränen wieder mal ein ganzer
Ozean gefüllt wird. In dem ich , wenn ich nicht schnell
das Schwimmen erlernt hätte, ertrunken wäre!!!
Abschlussbericht von Marcel Lipfert
/ August 2004
Ich habe mein Jahr in
einem kleinen, verschlafenen Dörfchen mit Namen Dacia /
Stein im Herzen Transsylvaniens verbracht. Die Bevölkerung
könnte man als multikulturell bezeichnen, obwohl das die
Ortsansässigen nicht gerne hören. Dort leben Ungarn
mit Rumänen, Zigeunern und den versprengten Resten der
Siebenbürger Sachsen zusammen. Wobei jede dieser Volksgruppen
ihre eigene Sprache spricht und bewahrt hat! Es ist also (für
mich zumindest) völlig Normal, das wenn man Wiedermahl
zur Wasserstelle schlendert zwei alte Frauen den neuesten Dorftratsch
auf Ungarisch auswerten, man von einer vorbei fahrenden Karuzze
auf Rumänisch gegrüßt wird, das alte sächsische
Ehepaar ihr Gespräch auf Plattdeutsch unterbricht, um mich
(wie immer wenn wir uns über den Weg laufen)zu fragen:
? UND WAS MACHST DU? ? Oder die Hirten die jeden Abend pünktlich
8,30Uhr die Kühe, Ziegen, Schafe und Pferde ins Dorf treiben,
sich in einem der vielen verschiedenen Zigeunerdialekte gegenseitig
zu ein oder zwei Schnäpsen anstacheln! Doch schließlich
bestand das Jahr nicht nur aus idyllichem Dorfleben sondern
zum grossteil aus harter Arbeit, die mir aber riesigen Spaß
und Freude gemacht hat!!! Dieses Wort mit A........... das mich
vor meinem FSJ immer in Frustration und Sinnlosigkeit gestürzt
hatte, führte mich in Rumänien in ein Kinderheim für
verhaltensgestörte Sozialweisen im Alter von 2-11 Jahren.
Mein Tagesablauf lässt sich nicht so leicht schildern,
weil jeden Tag aufs neue Ereignisse aufträten mit denen
man dann fertig werden soll und muss! Doch was das alltäglich
Arbeitsfeld betrifft so kann man es am besten so beschreiben.
Um 12.00uhr mittags betrete ich das Heim, meistens sind dann
die Kleineren bereits aus dem Kindergarten zurück und die
Grösseren schon im Anmarsch. Das bedeutet beim Umziehen
helfen und Betten für den Mittagsschlaf unter Mithilfe
der Älteren vorbereiten und danach geht?s zur Wasserschlacht
oder zum Händewaschen ins Bad. Wenn das bewältigt
ist heißt es LA MARSA!!! Was so viel bedeutet wie ZU TISCH!!!
Dort teile ich das Essen mit aus, füttere ein 2 Jaehriges
autistisches Mädchen, hohle Nachschlag für die Nimmersatten
und räume nach Beendigung des Schmauses die Tische wieder
mit ab. Danach geht?s ab zur Mittagsruhe, wo ich die Verantwortung
für ein Zimmer mit fünf Jungs übernommen habe.
Ich muss dafür sorgen das sie ihre Schlafanzüge anziehen
und dann auch wirklich einschlafen. Was meistens bis zu zwei
Stunden dauern kann! Während des Mittagsschlafes laufe
ich durch die Gänge und versuche Kinder, die durch Alpträume
oder weil sie aus dem Bett gefallen sind aufwachen, wieder zu
beruhigen und bleibe dann so lange bei ihnen liegen bis sie
wieder eingeschlafen sind. Das Nachmittagsprogramm richtet sich
ganz nach dem Wetter! Scheint die Sonne gehen wir oft Spazieren,
spielen Verstecken im Wald oder machen einen Abstecher zum Fußballplatz.
Bei schlechter Witterung singe ich mit den Zwergen, obwohl ich
meist der Textunsicherste bin, was mich aber nicht davon abhält
lautstark mit herum zu grölen! Ab und zu lese ich ihnen
auch was vor. Obwohl die Älteren bestimmt besser lesen
können als ich wurde immer darauf bestanden. Oft sitze
ich aber einfach nur mit den Kids zusammen, dann kuscheln sie
sich an mich und sind einfach froh darüber das da mal einer
ist der sie gerne hat!!!
Ich glaube oder besser gesagt ich bin davon überzeugt das
das Wichtigste in dieser Stelle die Zwischenmenschlichkeit ist.
Ich merke jedes mal wenn ich mit ihnen zusammen bin wie sie
nach jeder Art von Waerme,Zuneigung und Nähe nur so heischen!!!
Sie genießen einfach die Gegenwart einer Person die sie
nicht wegen jeder Kleinigkeit schlägt, anschreit oder erniedrigt!
Jemanden der sie tröstet wenn mit Tränen wieder mal
ein ganzer Ozean gefüllt wird. In dem ich , wenn ich nicht
schnell das Schwimmen erlernt hätte, ertrunken wäre!!!
Wenn es dann auf den Abend zugeht, heißt es noch einmal
LA MARSA , danach putze ich noch mit allen 32 Kinder Zähne,
schaffe sie ins Bett, decke sie zu und verteile noch Guten-
Nacht- Küsschen!!! Dann schleppe ich mich tot müde
und geschafft nach Hause oder in die nächste Kneipe!!!
Aber jetzt genug von dem Wort mit A.....!!! Kommen wir zu meinem
Resümee. Dieses Jahr in Rumänien war das Beste was
mir passieren konnte. Nie zuvor habe ich so Frei und ungezwungen
gelebt. Ich habe es genossen das mich Leute auf der Strasse
gegrüßt haben mit denen ich nie auch nur ein Wort
gewechselt hatte. Ich habe die Wälder, Hügel und Berge
so lieb gewonnen das sie mich wohl nie wieder los lassen werden.
Ich habe dort ein Plätzchen Erde und Menschen gefunden,
wo ich einfach ich selbst sein kann und das mir wohl immer ein
Zuhause sein und bleiben wird!!!
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