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so
habe ich die Einfachheit und den Verzicht auf grossen Luxus
kennengelernt
Abschlussbericht von Monika Stein /
August 2004
Ich habe mein FSJ in Rumaenien
im Kinderheim Centrul de Plasament Rupea "Casa Ioana"
gemacht. Rupea, in dessen Zentrum sich das Kinderheim befindet,
ist eine Kleinstadt mit ein paar tausend Einwohnern. Sie liegt
an der Europastrasse 60, genau zwischen Brasov/Kronstadt und
Sighisoara/Schaessburg. Rupea hat nicht so viel zu bieten, einige
Geschaefte, Kneipen, eine Pizzeria und ein Kulturhaus, in dem
ab und zu mal was los ist. Rings um die Stadt befinden sich
nur Doerfer. Das Arbeitsplatzangebot beschrenkt sich somit sehr.
Entweder man wird Bauer auf dem Dorf oder findet irgendein einen
mittelmaessig bezahlten Job in der Kleinstadt. Fuer die Jugend
bietet Rupea keine Zukunft. Viele gehen, wenn die Eltern es
finanzieren koennen, nach dem Abschluss der scoala generala,
der Grundschule, die allerdings bis zur 8.Klasse geht, in die
Grossstaedte aufs Lizeum und leben im Internat. Die Ausbildung
ist dort einfach viel besser und es erhoehen sich die Zukunftschancen
der Jugendlichen. Andere bleiben in Rupea. Doch die Arbeitslosigkeit
ist weit verbreitet, Frustration und
Alkoholmissbrauch sind zum groessten Teil die Folge. Die Leidtragenden
dieser wirtschftlichen Kriese, die nicht nur Rupea, sondern
auch andere Teile Rumaeniens betrifft, sind die Kinder. Es gibt
verschiedene Gruende warum Kinder ins Heim kommen, im grossen
und ganzen sind die gruende in der Situation, in der sich Rumaenien
ist, zu finden.
Im Kinderheim leben etwa
70 Kinder aus sozial schwachen Familien im Alter zwischen 4
und 20 Jahren. Sie besuchen den Kindergarten, die Grundschule
und die weiterführende Schule in Rupea. Erst nach Abschluss
der Schule müssen die Kinder das Heim verlassen. Die Kinder
leben im Heim auf 2 Etagen in 3
bis 6 Bettzimmern zusammen. Der Anteil der Mädchen ist
wesentlich höher, da dass Heim einmal ein reines Mädchenheim
war. Allerdings ist man bestrebt, ein Gleichgewicht zwischen
Jungen und Mädchen herzustellen. Ausserdem gibt es seit
einiger Zeit ein Gesetz, dass die Trennung von Geschwistern,
egal
welchen Geschlechtes, in verschiedene Kinderheime untersagt.
Entsprechend der Zimmer gibt es mehrere Gruppen, für die
zwei bis drei Erzieher verantwortlich sind. Ingsgesamt hat das
Kinderheim ca. 20 mehr oder weniger ausgebildete Erzieherinnen,
die im Schichtsystem arbeiten. In der Verwaltung arbeiten die
Direktorin und 3 Frauen in dem Büro, die alles koordinieren,
was den Bedarf des Heimes betrifft. Weiterhin arbeiteten im
Heim 1 Psychologin, 1 Ärztinnen sowie 2 Krankenschwester,
die sich in ihrem Dienst abwechseln. Weitere Angestellte sind
die Küchenfrauen, 1 Hausmeister, 2 Portiers und Putz- und
Waschfrauen. Auf dem Gelände des Heimes befindet sich auch
ein Spielplatz für die Kinder, jedoch in sehr duerftigem
Zustand. Andere Besonderheiten im Kinderheim sind der Clubraum
mit Fernsehr, das Computerkabinet, wo die Kinder den Umgang
mit den selbigen erlernen konnen, eine kleine Bücherei,
und das Spielzimmer für die jüngeren Kinder.
Meine Aufgabe im Heim
war es, mich mit den kleineren Kindern zu beschaeftig. Neben
den alltaeglichen Dingen, bei denen ich ihnen half, bastelte,
malte und spielte ich viel mit ihnen, kurz gesagt ich bot ihnen
ein Nachmittagsprogramm, neben dem Kindergarten und der Schule,
damit keine Langeweile aufkam, aber auch um ihre Kreativitaet
und Feinmotorik zu foerdern. Im Winter waren wir oft draussen
Schlittenfahren, wobei auch aeltere Kinder mit mir kamen. Ueber
das Jahr blieben die Kontakte zu einigen aelteren Maedchen auch
erhalten. Der Fruehling war fuer uns alle eine Befreiung aus
den aengen Raeumen. Spiele im Freien wie Fedeball, Fange, Springseil
springen und anderes konnte ich nun mit Bastelarbeiten und malen
kombinieren, wie ich wollte.
Bei der Arbeit mit den Kindern, war ich fuer sie nie ein Erzieher.
Durch die taegliche Beschaeftigung mit ihnen, stand ich ueber
den Erziehern, war fuer die Kinder eine Freundin oder grosse
Schwester, in punkto Autoritaet im Durchsetzen von Heimregeln,
wie z.B. dem Mittagsschlaf machen, befand ich mich eher unter
den Erziehern. Die Kinder wollten lieber die ganze Zeit mit
mir spielen. Erst ab der Mitte des Jahres wurde es immer besser
fuer mich, ein Gleichgewicht zu finden. Raeumlich war meine
Arbeit sehr eingeschraenkt, was vor allem in den kaelteren Monaten
sehr belastend war und mein Improvisationstalent immer wieder
von neuem forderte. Den vorhandenen Sportraum durfte ich nicht
nutzen, auch nicht den Clubraum. So arbeitete ich mit den Kindern
in ihren kleinen Zimmern, was die Arbeit mit einer Kinderzahl
um die zehn sehr stressig gestaltete. Fast immer war ich alleine
fuer die Kinderschar verantwortlich und ein zwei Erzieher schoben
mir noch extra ihre Kinder zu, weil ich ein Programm machte
und sie nicht. Ich moechte die Erzieher nicht persoenlich angreifen
oder ueber sie
urteilen. Bei ihrer Betrachtung moechte ich fuer mich zwischen
den privaten Menschen und den arbeitenden Erziehern unterscheiden,es
aber nicht werten: Als privater Menschen, sind mir einige der
Frauen, die ich durchweg alle dutzen durfte, im Laufe des Jahres
sehr vertraut geworden. Sie erklaerten
mir die Regeln im Kinderheim, allgemeine Sachen, die Rumaenien
betreffen, aber auch private Dinge aus ihrem eigenen Leben erzaehlten
sie mir. Ein zwei der Frauen verbesserten mir meine schlecht
angewoehnte Grammatik. Durch diese Verbesserungsversuche der
Erzieher und die Gedult der Kinder, mit
denen ich gemeinsam am Tag meherere Stunden verbrachte, sind
meine Kenntnisse in der rumaenische Sprache recht gut geworden
, fuer ein Jahr. Wenn ich die Erzieher an sich betrachte, so
ist ihre paedagogische Arbeit sehr gering und ihre allgemeine
Motivation, die sie an den Tag legen, nicht sehr hoch. Besprechungen
muessen schon sein, aber fast den ganz Tag im Erzieherzimmer
rumsitzen, Kaffee trinken und rauchen ist meiner Meinung nach
die falsche Einstellung. Doch woran liegt das? Fast alle Erzieher
haben noch eine Familie und einen Haushalt, Kinder vielleicht
auch Tiere, um die sie sich nach der Arbeit noch kuemmern muessen.
Einige besitzen noch einen Garten und Felder. Weiterhin ist
die Bezahlung sehr gering, 60? netto im Monat. Mir als Freiwilliger
war es immer unangenehm zuzugeben, dass ich mehr als sie bekomme.
Ein weitere Problem war, dass die Erzieher der Meinung waren,
dass die Kinder nicht in der Lage seien, irgendetwas kreativ
und schoen zu machen oder zu gestallten. Wenn ein Geschenk von
den Kindern an die Direktion oder andere Besucher gehen sollte,
z.B. zu Weihnachten und Ostern, so machten die Erzieher es lieber
selber, weil es dann perfekt aussah und man sich die Muehe und
Nerven fuer die Erklaerung einsparte. Ich habe ihnen immer wieder
gezeigt, was ich mit dne Kinder gemacht habe und sie waren doch
oft erstaunt darueber. Vielleicht hat es ihrte Einstellung ein
wenig geaendert. Doch auch die Beschenkten trifft eine Teilschuld.
Es ist schon ein Unterschied zwischen der perfekten Arbeit einer
Erziehrin und der unpefekt, aber trotzdem schoenen Arbeit eines
Kindes zu sehen. Wer dies nicht sieht,
will es nicht sehen, laesst sich verblenden und glaubt das im
projezierte Bild, dass doch alles so schoen im Kinderheim ist.
Fuer die meisten Erzieher
war es auch ein Problem, die Kinder fuer die sie verantwortlich
waren, auch mal in den Arm zu nehmen, sie zu druecken, zu streichen
oder zu troesten, wenn sie sich irgendwie weh getan hatten,
einen Gute-Nacht-Kuss zu geben, sprich ihnen einfach etwas Liebe
entgegen zu bringen. Meiner Meinung nach, hat jedes Kind dieses
Recht auf Liebe. Die Erzieher haben das nie so richtig verstanden.
Ihr Argument war immer, dass sie eigene Kinder zu Hause haben,
die sie lieben, und die gleiche Liebe koennen sie nicht den
Kinder im Heim entgegenbringen. Ihrer Meinung nach, sollte ich
auch nicht so aengen Kontakt mit den Kindern haben, doch daran
hielt ich mich nicht. Die Kinder koennen doch gar nichts dafuer,
dass sie im Heim sind, warum soll man sie dann noch mit Lieblosigkeit
bestrafen...
Waehrend des ganzen Jahres
war mein zu Hause, das von Rupea 7km entfernte Dorf Dacia, einem
dreihundert Seelendorf. Um zu Arbeit und wieder zurueck nach
Dacia zu kommen, trampte ich wie jeder andere Rumaene auch.
In Deutschland ist so etwas schwer vorstellbar, aber in Rumaenien
ist es das
normalste von der Welt um in die Stadt oder zum etwas weiter
entfernten Bahnhof zu kommen, wenn man kein Auto hat, weil es
hier keine oeffentlichen Verkehrsmittel zwischen den Doerfen
gibt. Nach der Arbeit war ich immer so um halb neun, zusammen
mit den Kuehen, im Dorf. Die doerfliche Ruhe hat mir nach einem
ansterengenden Tag im Heim sehr gut getan. Auch im Winter habe
ich es nicht bereut dort zu wohnen. Ich habe Holz gehackt, damit
ich es warm hatte, bin draussen aufs Klo gegangen, habe mich
mit Brunnenwasser, statt mit fliessendem Wasser abgefunden und
meine Waesche zum Teil selbst mit der Hand gewaschen, um was
sauberes zum anziehn zu haben. So ist auch das Leben der dortigen
Rumaenen, einfach und hart. Doch neben der Landwirtschaft und
Viehzucht, wissen sie auch zu scherzen, gelassen zu sein, aber
auch zu fluchen, Feste zu feiern, zu ihrer Manele-Musik zu tanzen...
Wenn ich nun ein Resueme
ueber dieses Jahr in Rumaenien ziehen soll, was mir im Moment
noch sehr schwer faellt, so habe ich die Einfachheit und den
verzicht auf grossen Luxus kennengelernt, habe manches aus deutschland
gehasst, manches vermisst, manches aber auch ehnlich vorgefunden.
Wie mich dieses Jahr veraendert hat, kann ich noch nicht sagen,
eins weiss ich aber, auf keinen Fall werde ich es bereuen.
Monika Stein
Email: Moni-in-Rumeanien@gmx.de
Handy: 0040742874440
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