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Sogar
der Schnee schien derselbe zu sein...
ein Reisebericht von Juliane Stahl/
Januar 2004
Besser kann eine Reise
nicht beginnen! Nachdem ich mit Frank die vielen kleinen und
großen Dinge für Rumänien im Auto verstaut habe,
und nachdem Rica vom Bahnhof abgeholt wurde und Cassy sie wild
und stürmisch begrüßte, folgten wir einer Einladung
zum Abendessen. Moni, ihr Mann und die Kinder gaben mir persönlich
viel Wärme und ein Wohlfühlgefühl, obwohl ich
sie erst kennen lernen durfte. Vielen Dank Euch dafür!
Nachdem wir uns also
gestärkt hatten, ging es am zweiten Weihnachtsfeiertag
um 22.30 Uhr endlich los. Wir fuhren über die Slowakei,
Tschechien und Ungarn nach Rumänien und kamen am 28. Dezember
gg. 4 Uhr in der Frühe in Stein/Dacia an. Meine Nacht war
eher kurz, da mich Moni - eine der Freiwilligen - zum Frühstück
einlud und ich ihre Einladung dankend annahm. Es folgten für
mich schöne Begegnungen mit netten Menschen und Geschichten.
An diesem Tag fuhren wir auch nach Deutsch-Weisskirch zu Harald
um bei ihm zu quatschen und Socken zu kaufen.
Am nächsten Tag
ging es dann endlich in meine geliebte Kronstädter Altstadt.
Zwei Jahre war ich weg und ich finde, es hat sich nicht viel
geändert. Sogar der Schnee schien derselbe zu sein. Als
erstes besuchten wir Andrea in der Sozialstation, wo wir Windeln
und Medikamente abgaben. Dort traf ich auch auf Claudia, die
ich während meines eigenen FSJ kennen lernte. Mit Steffi
ging es dann in die Freiwilligenwohnung, und spontanerweise
gleich weiter mit Bettina zu meiner "Lieblingsomi".Was
mir auffiel, war, dass einige Omis um Jahre älter wurden
und dass andere eher jünger aussahen. Das Leben mit den
Freiwilligen ist für sie zum Alltag geworden, "damals"
gab es nur mich und keine Erfahrungen davor. Viele Omis verglichen
die Freiwilligen untereinander, was teilweise schwer zu ertragen
war, da ich als Erste sozusagen "Sonderbegünstigungen"
hatte.
Auf die Frage, was die
Omis aber ohne die Freiwilligen machen würden, antworteten
alle ähnlich. Die deutschen Freiwilligen seien für
sie ein Höhepunkt des Tages oder der Woche, weil man dann
"endlich mal wieder deutsch reden kann". Nicht nur
die Hilfe im Haushalt seien wichtig, sondern das Sich-Zeit-Nehmen
und die Ruhe, die die Freiwilligen mitbringen. Manchen Omis
hilft es auch schon, wenn die Freiwilligen in ihrer Nähe
und einfach "da" sind.Durch ihr Vorhandensein und
die andere Kultur, die sie mitbringen, sind die Freiwilligen
für die alten Menschen lebenswichtig und ein Bestandteil
im Alltag geworden. Es ist eine gewisse Art von Pflege, wenn
Menschen sich um andere Menschen bemühen, nicht um des
Geldes wegen, sondern um die Person an sich.
Ich habe mit Schrecken
fest gestellt, dass eine Omi im Sterben liegt, der ich selbst
vor zwei Jahren beibringen konnte, wieder alleine und nur "mit
ihrem Freund" (einem Stock) zu gehen.Aber auf der anderen
Seite besuchte ich eine Frau, die damals nur mit Gehhilfe voran
kam, und jetzt freihändig und aufrecht die Tür öffnete.Auch
begegnete ich den Menschen, die mir selbst während meines
FSJ halfen, mir Stütze und Ansprechpartner waren. Diese
Situationen waren für mich etwas besonderes, weil mit einemal
so viele alte Erinnerungen hoch kamen, die ich im Studium in
den Hintergrund schieben musste.
Sylvester feierten wir
in Stein bei Micha, der sein Zimmer für einen gemütlichen
Raclette-Abend zur Verfügung stellte. An diesem Abend durfte
ich mich als Deutsch-Englisch-Rumänisch-Übersetzer
ausprobieren, da wir eine Multi-Kulti-Truppe waren (Deutsche,
Rumänen, Iren).
Am 2. Januar ging es
dann für mich wieder gen Jena. Micha ist ein klasse Fahrer
und Reisebegleiter, sodass wir richtig gut über Ungarn
und ÖSterreich nach Deutschland kamen. Naja, vergisst man
mal die Wartezeit an der Ungarisch-Österreichischen Grenze,
die 4 STunden betrug!!!Pünktlich am nächsten Morgen
erreichte ich meinen Zug nach Jena, um dann in Jena nach einem
heißen Bad ins Bett zu fallen und erst ca. 1 1/2 Tage
später wieder zu erwachen. Fazit: Es begann sehr sehr lecker,
fuhr fort mit wunderbaren Erlebnissen und aufrüttelnden
Erinnerungen und endete in einer Grippe im Bett.
Ich glaube, das war eine
unvergessliche Reise in meine Vergangenheit und in die reale
Gegenwart! |