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Aber
wir lernten auch ein zweite Seite Rumäniens kennen...
Ein
aktueller Bericht von Anne Wagner / Juli 2006
Buna Ziua,Ich weiss gar nicht so richtig, wo
ich anfangen soll zu erzählen...Dies hier ist nun mein
erster Monatsbericht(obwohl ich erst seit 14 tagen hier in Dacia
bin). Trotzdem gibt es einiges zu erzählen...Vollgepackt
mit meinen persönlichen Sachen und vielen anderen Dingen(z.B.
14 Bettmatratzen,Rollatoren und PC-Bildschirmen...)von Frank,machten
mein Vati und ich uns auf die Reise nach Rumänien!!Ich
hatte schon ein wenig angst vor den Grenzen, dass wir vielleicht
das ganze Auto ausräumen müssen oder so.Aber Gott
sei Dank kamen wir gut über dir Grenzen, indem wir einfach
immer sagten, wir würden privat verreisen(so wie Frank
es uns aufgetragen hatte). Als wir dann endlich die rumänische
Grenze überschritten hatten, konnten wir uns erst mal aufatmend
zurücklehnen! Aber schon bald(als wir an einer Ampel hielten),
lernten wir die erste Seite Rumäniens kennen: Armut! Kinder
kamen an die heruntergelassene Fensterscheibe und erbaten mit
flehendgefalteten Händen Geld...Wir gaben ihnen nichts...Das
tat ziemlich weh und in mir wuchs eine Art Scham(Menschen so
zu sehen) und Hilflosigkeit. Ebenfalls kamen wir gleich in den
Genuss der rumänischen Strassen, wo sich teilweise Schlagloch
an Schlagloch reihte...
Aber wir lernten auch ein zweite Seite Rumäniens
kennen: die herrlich, scheinbar nie endenwollende Landschaft,
bestehend aus Bergen(Karpaten,die sich durch ganz Rumänien
erstrecken) und unendlichen Wäldern und Wiesen,kleine Dörfchen...Ich
war hellauf begeistert und die fast 9 Stunden, die wir durch
Rumänien fuhren vergingen schneller als gedacht(denn ich
konnte und wollte mich nicht satt sehen).
In Dacia angekommen, worden wir von zwei sehr
lieben und zuvorkommenden Praktikanten von Copiii-Europei aufgenommen
und bewirtet!Mein Zimmer war im alten Pfarrhaus(Begegnungszentrum).
Ich fürchtete schon, dass ich alleine in diesem haus Angst
haben würde!! Doch so schlimm war es dann doch nicht! Im
Gegensatz zu frank´s Familie und Borcherts(den beiden
Praktikanten) hatte ich den Genuss eines richtigen Bades und
eines WC´s und fließend wasser(zwar nur kalt, aber
besser als gar nichts).Die erste Woche hatte ich erst mal Zeit
um mich einzuleben, was ich als sehr positiv empfand.Mein Vatider
noch 3 tage mit in Dacia blieb bevor er die heimreise antrat)
und ich erkundeten zum Beispiel das Dorf, wo wir wieder von
Kindern angesprochen worden, diesmal jedoch wollten sie bonbons.
Borcherts hatten uns zuvor aber geraten nichts zu geben(nach
dem motto: reichst du ihn den kleinen Finger(d.h. gibst du ihnen
bonbons), so reißen sie dir den ganzen arm heraus, weil
sie dann erwarten, dass du jedes mal, wenn du die siehst Bonbons
für sie hast).Anfangs war ich ziemlich geschockt über
diese Ansicht, als ich dann aber merkte, dass uns die Kinder
hinterherliefen und nicht von uns abließen,weil sie nicht
verstanden,dass wir ihnen nichts geben wollen,entstand in mir
eine Vorstellung darüber, wie sie reagieren würden,
wenn sie gewohnt wären von mir Süßes zu bekommen
und ich dann einfach mal nichts für sie hätte...
An einem anderen tag, waren wir nich in Sighisuara
und schauten uns die Stadt an...
Frank,Rica und Cora kamen drei Tage später...
Wir essen hier alle zusammen in einer überdachten Sommerküche.
Diese gemeinschaft ist echt schön und ich genieße
die gemeinsamen Mahlzeiten. Wäsche waschen wir per hand
und wir kochen auf einem Ofen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten,
schaffe ich es nun auch Feuer im Ofen zu machen.
Nachdem ich an einem Abend eineen richtigen
Heulanfall(wobei mehrere Sachen eine Rolle spielten,z..b. Heimweh,die
Umstellung,dass es nur Wasser aus dem Brunnen gibt, die Armut
und die einsamkeit im großem Pfarrhaus)zog ich mit auf
den Hof von Frank und Rica(in die Schlafscheune)Hier fühle
ich mich nicht mehr so alleine und einsam...Es tat mir selbst
sehr gut einfach mal alles herauszuheulen was sich von Anfang
an in mir angestaut hatte (auch wenn es mir peinlich war) Jetzt
besuche ich übrigens wie alle anderen auch ein Plumpsklo
und wasche mich im garten in einer Schüssel.
In der letzten woche habe ich viel im Pfarrhaus
gearbeitet, es waren noch einige Dinge zu erledigen bis die
ersten Gäste kommen...Wir haben 10 Doppelstockbett gestrichen
und zusammen gebaut,geputzt und geschrubbt, viele spinnweben
entfernt...
Wir teilen den Hof mit einer Zigeunerfamilie(bzw
einer Mutter mit fünf behinderten(gehörlos und taub))Vier
Kinder sind schon 14 bzw. älter, aber es dibt auch die
Diana, sie ist ungefähr 8. Sie ist noch nicht vollständig
taub und kann auch noch reden. Ihr zustand verschlechtert sich
jedoch.
Mit ihr spiele ich oft Ball oder albere mit ihr herum.Sie freut
sich dann immer sehr, und wenn ich sie für irgendetwas
lobe oder sie in den Arm nehme!Ihr lachen motiviert mich dann
auchg weiter zu machen, obwohl ich sie mit ihren rumänisch
eigentlich gar nicht verstahe und auch nichts sagen kann außer
bine oder foarte bine, was soviel heißt wie gut bzw. sehr
gut...Trotzdem verstehen wir uns und sie ist mir schon sehr
ans herz gewachsen.Heute habe ich angefangen mit ihr Zähne
zu putzen.Auf Mundhygiene wird hier nicht allzu viel wert gelegt...Viele
haben nur noch Stummelzähne(und extrem Zahnschmerzen),
weil sie nie Zähneputzen.Diana bekommt gerade Schulzähne
und sie sind noch nicht mit Karies befallen(soweit ich es mit
bloßén Augen feststellen konnte). Auf jeden Fall
hat sie sich gefreut, als ich ihr eine Zahnbürste gab(die
ich als reserve mit hatte).Wir standen zusammen im Garten und
haben fleißig Zähne geputzt(ich glaube die Zahnpasta
war ein wenig zu scharf für sie)
Trotz allem Fremden und nicht so Schönem
bin ich sehr dankbar hier sein zu dürfen!Ich werde zwar
nur kleine Dinge an einzelnen Menschen ändern können,aber
egal... .
Viele liebe Grüße
Eure Anne
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