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Fast niemand nennt mich Anne...
Ein aktueller Bericht von Anne Wagner / August 2006

Hallo ihr Lieben,Jetzt habe ich mich schon richtig in Dacia eingelebt!Ich fühle mich fast wie Zuhause, nur das mir natürlich meine familie und meine Freunde fehlen!Aber ich glaube, wenn es nicht so wäre, wäre irgendetwas faul.Bis Mitt juli hatten wir einen Tischler hier(Ione), er ist Rumäne und arbeitete wie schon in vergangenen Jahren mehrere Wochen für frank. Er kommt aus sehr einfachen Verhältnissen und kann durch die Arbeit in Daciafast sein gesamten Jahresunterhalt verdienen.Er hat zum beispiel auch die Cabanuza(Schlafscheune), in der ich jetzt wohne, neu aufgebaut!Ihn haben Frank, Rica, Cora und ich nach hause gefahren.Nach mehreren Stunden Fahrt, teils auf "gut Asphaltierten" Straßen bzw. eher feldwegähnlichen "Huppelpisten", landeten wir in einem kleinen Bergdorf (mitten in den Karpaten), namens Biscora. Wir worden von seiner Frau und seiner Tochter sehr herzlich empfangen und schleppten unser Gepäck über einen winzigen Trampelpfad in seine kleine Holzhütte.Mich überwältigte die Gastfreundschaft und die scheinbare Idylle, die das Leben dort zu prägen schien.Jeder hatte seine eigene Kuh, sein Huhn, sein Schwein und ein Stück Feld, um das eigene Überleben zu sichern...
Das in Mitten einer Landschaft, die von riesigen Wälder, hohen Bergen und saftigen grünen Wiesen überzusprudeln scheint...Für mich las gast war es wahrscheinlich idyllisch und zum Ausruhen wie geschaffen, doch für die bewohner des Dorfes ist es ein einziger Kampf ums Überleben!Den ganzen Sommer über sammelt man Vorräte für den Winter, denn der ist dort sehr hart und kalt, jeder Liter Milch und jedes Stück Holz ist sozusagen gold wert! Trotzdem worden wir so reichlich und gut bekocht, dass es mir schon fast peinlich war, denn schließlich sah und spürte ich die armut schon.Selbst zum Frühstück bekamen wir schon selbstgemachte pommes und frittierte eier(das war zwar sehr fettig, aber unwahrscheinlich lecker!).Zu jeder Mahlzeit wurde selbstgemachter Käse und eigengebrannter Schnaps aufgetischt...Wir worden also im Wahrsten Sinne des wortes gemästet!

Diesen Monat hatten wir auch schon die ersten Gäste im Begegnungsheim!Die ersten waren drei Freunde von Ricarda und Alexander.Sie waren eine woche in den Karpaten wandern und haben dann noch zwei Nächte hier im Begegnungsheim übernachtet.Mit ihnen haben wir dann abends gegrillt und gesungen.Das war ein richtig schönes Erlebnis, denn es kam leben in das alte Pfarrhaus und meine Arbeit(putzen etc.) bekam einen ganz neuen Sinn und gab mir neue Motivation.

Dann habe ich diesen Monat meinen ersten geschwisterkreis miterlebt!Aller 6 Wochen treffen sich dabei Christen(meist Deutsche, die in verschiedenen sozialen Projekten in Rumänien tätig sind). Dann wird zusammen gesungen und über einen Bibeltext gesprochen(in kleinen Gruppen), natürlich haben wir auch zusammen gegessen(Kaffeetrinken und Abendbrot), zu dem jeder etwas beigetragen hat. Das Schöne war, dass ich mich nicht wirklich fremd gefühlt habe, sondern gleich lieb aufgenommen worde.(Christen verbindet etwas!)

Von dem eigentlichen Arbeitstag gibt es eigentlich noch nicht viel zu berichten. Das Einzige was zu sagen ist, dass ich in letzter Zeit nicht ganz so viel zu tun hatte und dadurch mehr Freizeit hatte. Ab nächster woche (da kommen die ersten großen Gruppen) wird sich das stark ändern!

Das was mich am meisten bewegt, passiert meist außerhalb der Arbeitszeit! Zum Beispiel gehe ich jeden Abend bei einem alten Ehepaar im Dorf Milch holen. Jetztmal fing die alte Frau an mir zu erzählen, dass sie nach dem Zweiten weltkrieg nach Russland in ein Arbeitslager verschleppt worde und dann durch Zufall nur wieder nach Hause gekommen ist...Ich wustte nicht so recht, was ich dazu sagen soll und habe einfach zugehört...Außerdem finde ich es spannend, was die alten leute im Dorf alles noch selber machen(Seife, Brot...).Ich hoffe, dass ich die Möglichkeit kriege davon noch ein Bisschen was zu lernen.

Mit Diana putze ich auch weiterhin noch Zähne! Manchmal, wenn ich Zeit habe male oder bastele ich auch was mit ihr.Einmal haben wir solche Hüte aus Zeitungspapier gefaltet und angemalt(sie wollte gar nicht mehr aufhören) oder ich habe mit ihr Duschmarken(fürs Begegnungszentrum) gemacht (mit Kartoffeldruck).Sie ist immer sehr konzentriert und freut sich, wenn sie das resultat sieht!
Auch die Kommunikation mit den anderen Kindern von Elvira klappt immer besser.Meistens schreiben oder malen wir das auf, was wir sagen wollen bzw. verständigen uns mit Händen und Füßen!

Diesen Monat habe ich auch Besuch von meinem Vati bekommen:er hat hier in rumänien eine Posaunenchorrüstzeit mitgemacht und damit gleich mehrere Besuche bei mir verbunden.Das war echt schön, er hat mit all das mitgebracht, was ich in Deutschland vergessen hatte oder, wo ich nicht dran gedacht habe. Neben dem hat er auch an mein und unser leibliches Wohl gedacht und viele leckere Süßigkeiten und andere leckere essbare Dinge mitgebracht!!!Das war wie Weihnachten mitten im Jahr.
Wir waren dann einen Tag in Medias, einer relativ großen Stadt und haben uns das Zentrum angeschaut.Wir hatten uns auch so einiges zu erzählen und ich konnte seit langem mal wieder Auto fahren.
Einen Tag war auch die gesamte Gruppe von Vati in Dacia.Sie waren sehr an unserem Projekt interessiert und wir haben mit ihnen eine Führung im Pfarrhaus gemacht.Natürlich war gerade an diesem Tag schlechtes Wetter und wir mussten Kaffeetrinken und Abendbrot nach drinnen verlegen!Obwohl wir, glaube ich, alle nicht dachten, dass wir die ganze Truppe im Haus unterkriegen, hat es letzten Ende doch sehr gut geklappt...

Bis bald
Eure Anne
(Übrigens sind die Rumänen sehr kreativ in neuer Namensgebung!Fast niemand nennt mich Anne, manche sagen Anna , andere wiederrum Anni...Naja aber man gewöhnt sich ja an alles)

 


 
 
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