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Ein Land der Unterschiede und Gegensätze in dem ich ein Stück meines Herzen zurücklassen werde!
Der Abschlussbericht von Anne Wagner / Juni 2007

Liebe Spender, Freunde und Familie, Nun ist es soweit und die Zeit für den letzten Monatsbericht auch Abschlussbericht genannt ist gekommen. Es ist nicht einfach das in Worte zu fassen, was ich in diesem Jahr erlebt, gesehen und geschenkt bekommen habe. Rumänien, als ein Land der endlos weiten Wälder und Wiesen, die einer Vielzahl von seltenen Pflanzen und Tieren ein Lebensraum bieten ,was noch leben abseits der westlichen Zivilisation bietet und in dem Gastfreundschaft das Leben prägt. Rumänien, als ein Land bedrückender Enge, mit einer Gesellschaft in der die Spanne zwischen Arm und Reich sehr groß ist , wo Korruption noch die Wirtschaft regiert und Rassismus das Zusammenleben prägt. Ein Land der Unterschiede und Gegensätze in dem ich ein Stück meines Herzen zurücklassen werde!
Her trieb mich das Fernweh und die Neugier fremde Menschen ,Sprache und Kultur kennen zu lernen, kurz ,ich wollte einmal über meinen eigenen ?Tellerrand? hinausschauen.
Was mich erwartete war mir jedoch nicht wirklich klar, ich ging eher blauäugig als vorbereitet an die ganze Sache heran. Damit waren die ersten Tage sehr hart denn die Umstellung war doch recht erheblich! Die geliebte heiße abendliche Dusche sollte durch das Waschen in einer Emalieschüssel mit kalten Wasser ersetzten, wenn sich nicht zuvor jemand die Mühe gemacht hatte den Holzofen anzufeuern um Wasser zu erwärmen! Die während meiner Schulzeit zum täglichen Ritual gehörenden Spaghetti, die ich in 15 Minuten kochte dauerten nun auf dem Holzofen fast ein Ÿ Stunde! Meine dreckige Kleidung, die ich sonst schnell in die Waschmaschine zu werfen pflegte sollte forderte nun erst eingeweicht und dann mit der Hand gewaschen zu werden...
Diesen Strapatzen unterlag ich am Anfang neben dem eh schon schmerzhaften HeimwehJ
Doch Gott sei Dank, ist der Mensch ein Gewohnheitstier und ich freundete mich bald mit den vorherrschenden Umständen an. Ja ich lernte sie sogar zu lieben....Ich bemerkte schnell, dass die Umstellung einfach nur eine Frage der Planung war! Ich benötigte für alltägliche Dinge einfach viel mehr Zeit. Als ich dann aber einen Tagesrythmus gefunden hatte machte mir eben Beschriebenes gar nichts aus. Was ich wohl sehr vermissen werde ist , mich im Winter in meinem durch das Kaminfeuer völlig überhitzten Zimmer vor dem Ofen in meiner Schüssel zu Waschen, denn dass gehörte zu meinen täglichen Ritualen.
Was Zwischenmenschliches angeht, sind in diesem Jahr viele Grenzen durchbrochen! Ich war anfänglich extrem misstrauisch und ängstlich! Ich traute den Rumänen nicht ... Wenn ich mich, z.b Auf dem Markt in einer Menschenmenge wieder fand hatte ich ständig das Gefühl jeder wöllte mich berauben... Diese Angst kam wohl daher, dass ich von sehr vielen Menschen gewarnt worden war.
Es dauerte lange, bis ich anfing, nicht alle Rumänen bzw. Zigeuner in eine Schublade ( der Verbrecher J) zu stecken! Einen sehr positiven Beitrag leistete dahingehend die Beziehung zu Elvira, jener Mutter, mit der ich mir das ganze Jahr den Hof teilen durfte!
Ihr konnte ich Geld leihen ohne angst haben zu müssen es nicht wieder zu bekommen! Sie lies ich allein in meiner Küche und hatte keine angst, sie könnte mir etwas wegnehmen....
Dies gab mir auch das Vertrauen zu anderen Menschen!
Sie ist mir wirklich sehr ans Herz gewachsen und ich genoss die Zeiten, wo sie trotz ihres schweren Lebens ( Zigeunerfrau mit 4 taubstummen Kindern, die sich von ihrem alkoholabhängigen Mann, der sie und Ihre Kinder misshandelte, scheiden lies, dadurch von ihrer eigenen Familie verstoßen wurde und der was die Unterstützung ihrer Kinder anging ihr auch der Staat den Rücken zuwendete) beim Unkrautzupfen ausgelassen lachen konnte und ihre Augen Schalk und Freude wieder spiegelten! Unvergesslich werden mir auch die Stunden bleiben , in denen sie mir aus ihrem Leben erzählte, von ihrer Jugendliebe und dem dramatischen Ausgang dieser...Durch sie lernte ich viel über Land, Menschen und Kultur!
In den 4 Monaten die ich für das Bildungs und Begegnungshaus zuständig war, waren die schönsten Zeiten, wenn Gruppen da waren! Da war die Motivation ganz anders, als beim in brütender Hitze verschimmeltes Heu verbrennen oder Holzpfeiler in durch die Hitze steinhart gewordene Erde zu rammen! Eigentlich war ich in den Zwischenzeiten das Mädchen für alles!
Von Unkrautzupfen bis Babysitten und Marmelade kochen war alles dabei! Trotzdem war diese Zeit gut, ich lernte anderen zu dienen, auch wenn meine arbeit meist für außen stehende nicht sichtbar war.
Das Kinderheim prägte mich dennoch stärker, schließlich arbeitete ich die meiste Zeit dort!
Wie oft schon geschrieben ,waren es die kleinen unscheinbaren Erlebnisse, die mich wieder aufbauten und mir Kraft und Liebe für die Kinder gaben! Mir half es zu wissen, dass Gott diese Kinder geschaffen hat, er sie liebt und ihre Defizite zu gut kennt... So machte ich mich auf und versuchte die ? Wahren Kinder? hinter den ? kleinen Monstern? zu erkennen.
Mein Wunsch war es von Anfang an, den Kindern zu zeigen, dass ich sie lieb habe , egal was sie machen! Denn das kennen sie nicht! Für die Erzieher sind diese Kinder ?eh nur Zigeuner? (also der Abschaum) und dementsprechend verhielten sie sich auch den Kindern gegenüber. Natürlich nur, wenn keiner fremder hinsah ( nach zwei Wochen war ich keine Fremde mehr für sie und ich durfte ihre Erziehung in vollen Zügen erleben)
Mir war schon am ersten Tag als ich ins Heim kam klar : ?die Strukturen des Heimes kannst du als Praktikant nicht verändern! Aber du kannst den Kindern ein Stück nähe und Wärme abgeben und sie lieb haben?....
Das war nicht immer einfach und manchmal platzte auch mir der Kragen. Ich lernte auch, keine Gegenleistung für meine Liebe ihnen gegenüber zu erwarten, das war manchmal ziemlich schmerzhaft und Momente der Freude ließen teilweise lange auf sich warten. Doch wenn dann ein Kind angerannt kam und sich auf meinen Schoß setzte und mich mit großen dunklen leuchtenden Augen ansah, mich fragte ob ich es lieb habe und mir dann verschmitz einen Kuss auf die Wange drückte, wusste ich, ? es ist gut, dass du hier bist?!
Die Erzieher waren zu mir nett und gerade dass war der Zwiespalt in dem ich stand. Einerseits sah ich, wie sie mit den Kindern umgingen und andererseits wie sie mit mir umgingen. Die meiste Zeit waren sie schon freundlich und obwohl sie meine Arbeit oft aus zunutzten ( ich glaubte sie dachten ich würde es nicht merken, dass sie sich darauf ausruhten).
Ein Beispiel dafür, ich backte mit den Kindern Kekse und die Erzieher brachten welche zum Chef und sagten ? schauen sie mal Herr Direktor, wir haben Kekse mit den Kindern gebacken?....
Aber ich versuchte mich nicht weiter an solchen Dingen aufzuhängen denn es wäre sinnlos verschwendete Kraft gewesen! Innerlich lachte ich sie aus, weil sie dachten ich sei zu dumm um so was mitzubekommen!
Auf alle fälle ließen mich die Erzieher das mit den Kindern machen was ich wollte und sie redeten mir nicht dazwischen.
Gerade was Erziehung und Motivation angeht muss Rumänien noch viel lernen. Aber ich denke man darf auch nicht vergessen was sich seit der Wände in Rumänien an den Heimen alles geändert hat. Die Materielle schiene ist gut abgedeckt worden. Die Kinder haben essen , Kleidung und jeder ein Bett. Ich denke, dass wichtig ist auch die positiven Veränderungen wahrzunehmen und sie dem Land zu gute zu halten. Wobei mir jedoch auch klar ist, dass sie geistige Situation noch lange nicht rechtfertigt.
Doch wie soll eine Generation Kinder erziehen , die selber nie klare Grenzen in der Erziehung erlebt hat, die selber durch Schläge erzogen wurde und der Feindbilder mit auf den Weg gegeben wurden um einen Täter zu haben, der für alles schlechte verantwortlich gemacht wird ( Der Zigeuner).

Trotz allen Schwierigkeiten und Problemen habe ich dieses Jahr sehr genossen und ich bereue kein Stückchen, dass ich mich nach Rumänien aufgemacht habe! Es gibt viele Sachen die mir in sehr guter Erinnerung bleiben werden ....
Ich will mich an dieser Stelle auch noch mal recht herzlich bei allen den denjenigen bedanken, die mich finanziell, emotional oder materiell unterstützt haben! Ohne diese Hilfe wäre mir diese Jahr nicht möglich gewesen! Ich bin sehr dankbar dafür!
Im September werde ich mit meinem Studium der Sozialen Arbeit in Dresden an der Evangelischen Fachhochschule beginnen und ich denke, dass mich mein Jahr in Rumänien auch schon ein Stück darauf vorbereitet hat!

 

 

 


 
 
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